FWG Neustadt (Wied) will mehr Sicherheit für Zweiradfahrer
Freie Wähler wollen langfristig Unterfahrschutz an Leitplanken
Der Zweiradtourismus boomt und die Kommunen profitieren davon. Aber für die Sicherheit der Zweiradfahrer sei weder Interesse noch Geld da. So hatte die Freie Wählergemeinschaft Neustadt (Wied) insbesondere den Zustand der Leitplanken an den Kreis- und Landesstraßen kritisiert.
„Wir wollen mehr Tourismus in der Gemeinde. Das ist gut für Gastronomie und Gewerbesteuerentwicklung. Gerade Motorradfahrer sind willkommen, auch weil sie häufiger Pausen einlegen als PKW-Fahrer.“ meinte Willi Winter, Vorsitzender der FWG, bei der ersten Sitzung des vor vier Wochen neu gewählten Neustädter Vorstands.
Schon bei Feuchtigkeit extrem rutschig: Die L 255 zwischen Etscheid und Neustadt. Und die nur noch lückenhaft vorhandenen Polster der Leitplanken-Stützen machen Stürze für Zweiradfahrer lebensgefährlich. Foto: FWG Neustadt (Wied) |
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Tourismus bringe aber nicht nur Geld, sondern auch Verantwortung mit sich. Es sei nun Frühling, die Zweiräder werden nun wieder verstärkt in Betrieb genommen und damit steige auch das Risiko von Unfällen. Winter weiter: „In Kürze liegt wieder eine Menge Blütenstaub auf den Straßen. Das in Verbindung mit Feuchtigkeit und dem teils erbärmlichen Zustand der Fahrbahnen lässt eine Zweiradfahrt in unserer Gemeinde dann zu einem ausgesprochen schlüpfrigenen Abenteuer werden.“ Denn die Polster an den Pfosten der Leitplanken, die die Folgen eines Unfalls wenigstens mindern könnten, seien, falls überhaupt noch vorhanden, großenteils verrottet, beschädigt oder nicht korrekt angebracht.
Auch an die vielen Jugendlichen, die auf dem Weg zu Schule und Arbeitsstelle oder in ihrer Freizeit nun wieder häufig mit ihren Motorrollern unterwegs sind, denkt die Freie Wählergemeinschaft dabei. Gerade bei einer gewissen Unerfahrenheit könne es in Kurven jederzeit zu einem Sturz kommen.
„Diese Polster sind sowieso nur die zweite Wahl in Sachen Sicherheit“ stellte Winter fest und befürchtet: „Es gibt mit einem durchgehenden Unterfahrschutz schon seit 1998 eine bessere Lösung. Aber den auch nur an den gefährlichsten Kurven anzubringen, wird Jahre lange Diskussionen mit den zuständigen Behörden erfordern.“ Deshalb sollten zu mindest die schadhaften und fehlenden Polsterungen umgehend ersetzt werden.
Dabei geht es den Freien Wählern nicht nur um die motorisierten Zweiräder. Bei der Vielzahl von teils extremen Gefällstrecken in der Gemeinde seien auch Fahrradfahrer bei Stürzen gegen die
Kaputt, falsch angebracht, weg: An der K 37 zwischen Bühlingen und Neustadt ist es Glücksache, bei einem Unfall auf ein schützendes Polster zu treffen. Foto: FWG Neustadt (Wied) |
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ungeschützten Pfosten der Leitplanken in Gefahr, schwer verletzt zu werden. Die Leitplanken seien zwar für Autofahrer ein großes Plus für die Sicherheit, könnten für Zweiradfahrer jedoch zu tödlichen Fallen werden.
Rainer Högner aus Strauscheid dazu: „Wenn ich von zuhause aus mit dem Fahrrad die K 78 in Richtung Wiedtal hinunterfahre, kommt mir schon der Gedanke, was wohl passiert, wenn mal der vordere Bremszug reißt ...“
Auch volkswirtschaftlich sei die fehlende Wartung der Leitplanken Sparsamkeit an der falschen Stelle, ergänzte der Fernthaler Physiotherapeut und FWG-Kassenwart Helmut Limbach. „Ein Motorradfahrer, in der Regel in mittlerem Alter, qualifiziert und gut verdienend, der wegen eines gesparten Pfostenpolsters beinamputiert, querschnittgelähmt oder tot ist, ist kein gutes Geschäft für Staat und Kommune. Und über das persönliche Leid des Betroffenen und seiner Angehörigen müssen wir ja wohl gar nicht erst reden.“
Zweiradfahrer seien zwar genau so Steuerzahler erster Klasse wie Autofahrer, müssten sich aber mit einem drittklassigen Sicherheitsstandard auf den Strassen in unserer Gemeinde zufrieden geben.
Dabei befürchtet die FWG Neustadt auch ein potenzielles Haftungsrisiko für den Landkreis. Zwar müsse die zuständige Behörde nicht mit einer Polsterung der Pfosten für mehr Sicherheit zu sorgen, seien solche Umhüllungen aber einmal montiert, sei die Behörde auch verpflichtet, sie in einwandfreiem Zustand zu halten. Komme es wegen Versäumnissen zu einer Schadenersatzzahlung, müssten die Neustädter Bürger diese über ihre Gemeindesteuern mit finanzieren.
Außer Moos nix los: An der Leitplanke der K 35 zwischen Ehrenberg und Neustadt finden sich überhaupt keine Sicherheitsvorkehrungen für Zweiradfahrer. Foto: FWG Neustadt (Wied) |
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Die Freie Wählergemeinschaft hat deswegen in einem Schreiben den zuständigen „Landesbetrieb Mobilität“ aufgefordert, umgehend ihrer Instandhaltungspflicht nachzukommen und sich zu einer sukzessiven Umrüstung auf einen effizienten Unterfahrschutz zu äußern. Der Vorsitzende abschließend: „Wir wollen nicht erst dann hektische Aktivitäten sehen, wenn der Notarzt schon zum Einsatz gekommen ist.“
Zwischenzeitlich sind die beanstandeten Polster größtenteils tatsächlich schnellstens ersetzt worden. Zur Anfrage nach der zukünftigen Verwendung von Unterfahrschutz ist eine Bestätigung der Neuwieder Strassenmeisterei (PDF-Datei) eingegangen, dass man das Schreiben der FWG Neustadt (Wied) an die zuständige Stelle in Koblenz weiter geleitet hat.

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